The Nest, ein grüner Morgen in Luxemburg-Stadt
Erscheinungsdatum: 12.03.2026
Dies ist eine überarbeitete Übersetzung eines Originalartikels von Jan Hoffman
Das klassische Büro ist uns allen vertraut: meist handelt es sich um ein zweckmäßiges Gebäude, bei dem auf möglichst viele dekorative Elemente verzichtet wurde. Dass es auch anders geht, zeigt das in der zweiten Hälfte dieses Jahres startende Projekt „The Nest“ im sich stark entwickelnden Stadtteil „La Cloche d’Or“, im Süden der Stadt Luxemburg. Hier denkt man nicht nur an die Schaffung einer angenehmen und fürsorglichen Umgebung, sondern widmet gleichzeitig maximale Aufmerksamkeit der Flora und Fauna, die seit Langem aus dem Stadtgebiet verdrängt wurde.

Das Büroprojekt The Nest lädt die Natur in die Stadt ein.
Natur in die Stadt einladen
The Nest lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes als ein bewusst gestalteter Blick in die Zukunft verstehen. Das Büroprojekt von Assar Architects und Maison Edouard François aus Paris, entwickelt im Auftrag von Eaglestone Luxembourg, fällt vor allem dadurch auf, wie konsequent es die Natur wieder in die Stadt holt, oder genauer gesagt: wie es ihren angestammten Platz neu behauptet.

Render der zukünftigen Außenfassade.
„Genau darin liegt eine der Leitideen hinter The Nest“, erklären die Architekt*innen. „Hier entsteht nicht einfach ein weiteres Bürogebäude mit den üblichen Dienstleistungen. The Nest soll die Vision des Entwicklers zum Ausdruck bringen: die Stadt von morgen aktiv mitzugestalten und setzt dazu ein klares Zeichen im Stadtteil La Cloche d’Or, der mit nachhaltiger Mobilität und integrierten Grünflächen schon jetzt zeigt, wie urbanes Leben aussehen kann. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Arbeit und Wohlbefinden in Harmonie zueinander stehen. Die Wahl von La Cloche d’Or ist nicht zufällig. Hier entsteht ein echter Stadtteil, in dem man gerne verweilt, wohnt, arbeitet, lebt, einkauft und sich entspannt. La Cloche d’Or möchte ein Symbol für „New Urban Living“ in Luxemburg sein, wo Bewohnern und Nutzern eine außergewöhnliche Lebensqualität geboten wird.“


Das Atrium bildet das lebendige Zentrum des Gebäudes und wird von sorgfältig ausgewählten, standortgerechten Pflanzen eingerahmt.
Wiederbelebung der lokalen Fauna im urbanen Raum
Beim Projekt fällt sofort auf, wie sorgfältig die umliegende, vollständig einheimische Bepflanzung ausgewählt wurde – vielfältig, dicht und perfekt an den Standort angepasst. Die Gestaltung ist darauf ausgerichtet, der lokalen Fauna im urbanen Umfeld neue Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten und ihre nachhaltige Entwicklung zu fördern. Überall sind strategisch platzierte Holz- und Steinhaufen sowie Nistkästen zu erkennen, um Insekten, Vögel und kleine Säugetiere anzuziehen. Dieses Mikrokosmos, der oft aus seinem natürlichen Lebensraum verdrängt wurde, soll sich neu ansiedeln, ein Gleichgewicht finden und sich in perfekter Symbiose organisieren.
Besonders beeindruckend ist zudem das 900 m² große Atrium des Bürogebäudes auf einer Gesamtfläche von über 10.000 m². Es bildet das pulsierende Zentrum des Gebäudes und wird von standortgerechten Pflanzen umgeben, die eine harmonische, naturnahe Atmosphäre schaffen. Im Erdgeschoss erstreckt sich ein üppig gestalteter Garten, der den Raum prägt und zugleich die gemeinschaftlichen Bereiche belebt. Hier befinden sich ein Restaurant, ein Fitnessstudio, ein Auditorium sowie Konferenz- und Schulungsräume. Wandelwege und passende Sitzgelegenheiten laden Mitarbeitende und Besucher dazu ein, eine Pause einzulegen, neue Energie zu tanken und ganz in diese grüne Umgebung einzutauchen.
„Unser Ziel war eine schlichte, unaufdringliche Architektur, Raum für Extravaganz gibt es hier bewusst nicht. Die überwiegend grauen Fassaden, gestaltet aus Gabionenkörben, die mit Materialien aus Rückbau- und Wiederverwendungsprojekten gefüllt sind, verleihen The Nest den Charakter einer natürlichen Festung. Die Fenster sind bewusst rhythmisch angeordnet, und an ausgewählten Stellen öffnet sich eine Tür zu einem Balkon. Die äußere Hülle wird lediglich an einer Stelle durchbrochen: am Haupteingang, der sich wie ein feiner Riss durch die massive Struktur zieht. Im Foyer prägen natürliche, CO₂‑arme und recycelte Materialien die Atmosphäre. Sie tragen die Identität des Projekts nach außen - etwa der Marmor, der aus renommierten Standorten der Region zurückgewonnen wurde. Dahinter steht ein klares Konzept: Man durchsucht gezielt Rückbauorte in der Umgebung, wählt geeignete Elemente sorgfältig aus und führt sie in ein zweites Leben über.

Eine großzügige, begrünte Terrasse ermöglicht darüber hinaus den Bezug zum Außenraum.
Moderne Büros sind längst mehr als reine Arbeitsplätze: Sie sollen ein Umfeld schaffen, in dem sich Nutzer wohlfühlen und inspirierende Erfahrungen machen. Während der umliegende Wald von The Nest die Atmosphäre prägt, bildet das begrünte „Innenland“ das lebendige Herz des Projekts. Terrassen, eine Barista sowie Spazierwege schaffen ideale Orte für Meetings, informelle Gespräche oder Workshops - stets im Einklang mit den Werten von Wohlbefinden und persönlicher Entfaltung. Der zentrale Raum bietet eine vielfältige, naturnahe Umgebung und eine hohe Aufenthaltsqualität.
Fünf Büroetagen rund um ein Atrium
Abschließend ist hervorzuheben, dass die fünf Bürogeschosse sowie die zahlreichen Dienstleistungs‑ und Freizeiteinrichtungen um ein leichtes, geschütztes Atrium angeordnet sind, das vollständig in Holzbauweise realisiert wurde. Die Atmosphäre wirkt wohltuend und entschleunigend. Die Haupterschließung erfolgt über eine Abfolge hölzerner Stege, die immer wieder neue Blickwinkel auf ein üppiges Blätterdach eröffnen. Jeder Übergang lädt zum Innehalten, Entdecken und Abschalten ein – ein wirkungsvoller Impuls, um neue Energie zu schöpfen.
All dies soll den Nutzerinnen und Nutzern das Gefühl geben, in einem Büro zu arbeiten, das ihrem menschlichen Maßstab entspricht. Um diesen Eindruck zu verstärken, setzt das Projekt bewusst auf handwerkliche Arbeit. Zahlreiche Komponenten wurden von Hand gefertigt – darunter die Hauptbeleuchtung in der Eingangshalle, die Flechtverkleidung der Lüftungskanäle im Atrium sowie restaurierte Vintage‑Möbel. Das Durchbrechen von Stereotypen und standardisierten Industrieprozessen schafft Momente der Überraschung und verleiht jedem Bereich eine eigene Identität, die es zu entdecken gilt. Die aus recycelten Marmorplatten gefertigten Waschbecken in den Sanitärbereichen sind nur eines von vielen Beispiel dafür.


Alle Bilder: © Assar Architects