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PROJECTS

Villa Planchart: Das Schmetterlingshaus hoch über der Stadt

Erscheinungsdatum: 02.06.2026

Dies ist eine überarbeitete Übersetzung eines Originalartikels von Adam Štěch

Über der Hauptstadt Venezuelas erhebt sich die Villa Planchart mit ihrer klaren, kristallinen Form als Sinnbild für den Wohlstand und die künstlerische Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit in diesem südamerikanischen Land. Der italienische Architekt Gio Ponti konzipierte das Gebäude als ein ganzheitliches Gesamtkunstwerk.

Gio Ponti verstand den kreativen Prozess als eine ganzheitliche, durchgängige Idee. Er gehörte zu einer Generation von Architekt:innen, die im Maßstab „vom Löffel bis zum Wolkenkratzer“ dachten – bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes. So entwarf er unter anderem Silberbesteck für die Marke Christofle und realisierte in Mailand einen Wolkenkratzer für das Unternehmen Pirelli. Seine viel beachteten Mailänder Projekte brachten ihm zahlreiche neue Aufträge ein und ebneten den Weg für eine internationale Tätigkeit. Nach dem Krieg arbeitete sein Büro in Italien, Venezuela, Iran, Hongkong, Pakistan, den Niederlanden und den USA. In diesen Projekten entwickelte Ponti eine Architektur, in der Konstruktion und Gestaltung untrennbar miteinander verbunden sind, was sich besonders eindrucksvoll in drei Villen in Caracas und Teheran zeigt. Den Auftrag für die Villa Planchart, auch bekannt als El Cerrito (Kleiner Hügel), erhielten 1953 die Kunstsammler Anala und Armando Planchart.

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Das stark auskragende Dach verleiht dem Bau eine besondere Monumentalität und Dynamik. Unterschiedlich große Fensteröffnungen und geneigte Wände lassen das Haus als plastisch durchgebildetes, skulpturales Objekt erscheinen. Die charakteristischen kristallinen Formen übertrug Ponti auch auf die Außendetails, beispielsweise auf das Geländer des Wasserbeckens am Hauseingang.

Von außen erinnert das Haus an einen Schmetterling. Mit seinen weiß verglasten Mosaikwänden, den kristallin geformten Ecken und dem angehobenen, weit auskragenden Dach steht es in starkem Kontrast zur umgebenden tropischen Landschaft.

Der wertvollste und zugleich kunstvollste Teil des Hauses ist jedoch das Interieur. Darauf verweist bereits das Emblem über dem Eingang, das die Initialen von Anala und Armando trägt. Elegante Typografie geht dabei Hand in Hand mit farbenfrohen Symbolen von Sonne und Mond, Blättern, Vögeln und Blumen, die den Blick beinahe wie von selbst zur hängenden Mobile von Alexander Calder lenken. Auffällig ist zudem, dass die Motive von Sonne und Mond in der gesamten Villa immer wiederkehren.

Im Hauptwohnraum entwickelte der Architekt ein dramatisches Interieur voller Farben und Strukturen, das durch ein zentrales Atrium – eine Art Außenwohnzimmer – ergänzt wird. Den gestalterischen Mittelpunkt bildet dabei eine keramische Mosaikarbeit von Pontis Mitarbeiter, dem Bildhauer Fausto Melotti.

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Der ausgeprägte Symbolgehalt zeigt sich in den farbigen Fresken über dem Eingang, die Mond- und Sonnensymbole darstellen. Das Atrium des Hauses zieren ein monumentales Keramikrelief sowie eine Skulptur, die von Pontis Freund und langjährigem künstlerischen Weggefährten Fausto Melotti entworfen wurden.

Großformatige Platten aus verschiedenfarbigem Marmor prägen den Boden, in den unter anderem ein Esstisch sowie ein Pflanzgefäß mit tropischer Vegetation integriert sind – entworfen vom brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx.

Daran anschließend befindet sich das Arbeitszimmer von Armando Planchart, konzipiert als Hommage an die Farben Gelb und Weiß sowie an fein gearbeitetes, maßgeschneidertes Mobiliar. Hier entfaltet sich das Interieur zu einer eigenständigen Wohnlandschaft, in der sich Schränke unterschiedlichster Formen und Größen mit Leuchten, plastischen Reliefs und sogar mit Plancharts afrikanischen Trophäen abwechseln, die Ponti geschickt in motorisierten Drehzylindern verbarg.

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Der Hauptwohnraum der Villa Planchart wird von einer außergewöhnlich reichen Abfolge von Materialien, Oberflächen und Farben geprägt. Das Pflanzgefäß im Hintergrund hingegen wurde von dem brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx gestaltet. Die meisten Elemente des Interieurs wurden in Italien maßgefertigt und per Schiff nach Caracas gebracht. Die Haupttreppe verbindet Holz mit einem Geländer aus Messing und Glas. In der Villa finden sich zudem zahlreiche Türen mit unterschiedlich ausgeprägten geometrischen Formen.

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Neben dem Wohnbereich im Erdgeschoss liegt das Arbeitszimmer von Armando Planchart, das ringsum von raffiniert gestalteten Einbaumöbeln – Regalen, Reliefs und Leuchten im vielschichtigen Design Pontis – geprägt ist. Auf Wunsch der Bauherren entwarf Gio Ponti zudem ein einzigartiges, farbenfrohes Speiseservice, auf dessen Tellern teilweise die Initialen des Ehepaars Planchart erscheinen.

Im zweiten Stock eröffnet sich die intime Welt des Ehepaars Planchart. Beim Blick auf die maßgeschneidert gestalteten Schlafzimmer, Bäder und bemerkenswerten Stauraumlösungen wird deutlich, mit welcher Sorgfalt Ponti jedes Detail entwickelte. Ermöglicht wurde dies vor allem durch die sehr offene und vertrauensvolle Kommunikation mit den Bauherren, die dem italienischen Meister die Freiheit ließen, seine Arbeit voll zu entfalten – was nicht immer selbstverständlich ist.

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Im zweiten Obergeschoss finden sich eine Reihe von raffiniert gestalteten Stauraumelementen, die nach außen wie abstrakte Reliefs erscheinen. Hinter dem Schminktisch von Anala Planchart steht Pontis ikonischer Stuhl Superleggera, der bis heute von der Marke Cassina hergestellt wird.

Während seines Aufenthalts in Caracas erhielt Ponti zudem mehrere weitere Aufträge. Die Villa Arreaza entwarf er zwar in einem ähnlichen Geist wie die Villa Planchart, sie wurde jedoch in den 1990er-Jahren abgerissen. Die Villa Guzman-Blanco hingegen existiert bis heute, doch Ponti distanzierte sich von ihr. Aufgrund der ständigen Einwände von Madame Guzman-Blanco zog sich der verärgerte Architekt aus dem Projekt zurück, und die Villa wurde schließlich von Graziano Gasparini fertiggestellt.

Gerade deshalb ist die Villa Planchart so außergewöhnlich: Die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Auftraggebern konnte bis ins kleinste Detail verwirklicht werden, und das herausragende Ergebnis ist trotz der politischen Unruhen in Venezuela glücklicherweise bis heute unversehrt geblieben.

Alle Bilder: © Adam Štěch