Solare Architektur: das Sunsoak-Entwurfsmodell
Erscheinungsdatum: 12.05.2026
Dies ist eine überarbeitete Übersetzung eines Originalartikels von Mister Emma - Archi Urbain
In einer Zeit, in der Städte nach schnellen, sichtbaren und wirksamen Antworten auf die Energiewende suchen, vertritt Sunsoak Design eine einfache Idee: Solarenergie sollte nicht länger eine diskrete Ergänzung sein, die erst am Ende eines Projekts installiert wird, sondern von Anfang an integraler Bestandteil der Architektur werden. Seit zehn Jahren entwickelt der Gründer Jean‑Didier Steenackers in Brüssel und international einen Ansatz, der photovoltaische Systeme in architektonisch prägende Strukturen verwandelt – Strukturen, die nicht nur Energie erzeugen, sondern auch Gebäude, Fassaden und öffentliche Räume neu gestalten. Im Rahmen der ARCHITECT@WORK Brüssel traf Mister Emma Jean‑Didier Steenackers zum Gespräch.
Sunsoak Design feiert sein 10‑jähriges Bestehen. Wie ist die Idee der „Solarmaschinen“ entstanden?
Lange Zeit ging es in der Architektur vor allem darum, uns vor den Elementen zu schützen. Heute müssen wir auch lernen, sie zu nutzen. Eine „Solarmaschine“ ist nicht nur eine Photovoltaiktechnologie: Sie steht für eine neue Generation von Systemen, in denen Energie an Ausdruckskraft gewinnt. Insofern bildet nicht mehr eine verfügbare Dachfläche den Ausgangspunkt, sondern das solare Potenzial eines Ortes sowie eine optimale Form der Energiegewinnung, die mit der Architektur in Dialog tritt. Solche Strukturen erweisen sich oft als leistungsfähiger als herkömmliche Installationen und zeichnen sich zugleich durch eine schnelle Umsetzbarkeit sowie eine minimale Eingriffsintensität aus.

CERN-Gebäude „Science Gateway“
Sie haben schon früh begonnen, mit großen internationalen Architektenbüros zusammenzuarbeiten. Wie kam es dazu?
In Europa gibt es zwei große Zentren der Solararchitektur, und Belgien gehört dazu. Das wurde mir bewusst, als ich in Paris gearbeitet habe. Nach meiner Rückkehr begann ich, diese belgische Expertise mit großen Büros in London, Paris oder Amsterdam zu verknüpfen. Im Laufe der Zeit entstanden vertrauensvolle Kooperationen, unter anderem mit den Teams von Jean Nouvel, Shigeru Ban und Renzo Piano. Gerade im Zuge der Entwicklung des CERN Science Gateway etablierte sich der Begriff „Solarmaschine“. Dies war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass Sunsoak Design gegründet werden musste, um dieser neuen Nachfrage gerecht zu werden – nämlich Technologie bereits im architektonischen Entwurf mitzudenken.
Sie arbeiten international, aber auch in Belgien. Gibt es hier ein besonders prägendes Projekt?
Ja, die solare Aufstockung am Rogier‑Platz, realisiert mit Ney & Partners. Darauf bin ich besonders stolz, weil das Projekt auf einen Mangel an Identität in einem sehr starken urbanen Kontext reagierte. Wir schlugen eine sichtbare, elegante, nach Süden ausgerichtete solare Krönung vor. Es war auch eine regulatorische Herausforderung, da solche Eingriffe in keine klassische städtebauliche Kategorie fallen. Doch das Projekt zeigt, dass man ein bestehendes Gebäude schnell, kraftvoll und architektonisch energetisch aufwerten kann. Heute versuchen wir, dieses Modell auch an anderen Orten in Brüssel umzusetzen, etwa beim Central Plaza oder an der ULB.

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Wie sehen Sie die Zukunft?
Der eigentliche Wandel wird nicht allein technologischer Natur sein, sondern vor allem ein Wandel im Denken und Handeln. Solange Solarenergie lediglich als Zusatz verstanden wird, der am Ende eines Projekts angebracht wird, um formalen Anforderungen zu genügen, verfehlen wir den Kern der Sache. Die Logik muss umgekehrt werden: Zunächst gilt es, die lokalen Ressourcen zu erfassen – Sonne, Geothermie, Wind – und darauf aufbauend eine Architektur zu entwerfen, die sich an diesen Potenzialen orientiert. Energie wird damit zu einer Entwurfsfrage. Im aktuellen geopolitischen Kontext geht es dabei auch um Abhängigkeiten und Überzentralisierung. Lokal zu produzieren, Ressourcen zu verteilen und den Nutzerinnen und Nutzern wieder eine aktive Rolle zu geben – all das sind heute ebenso architektonische wie technische Aufgaben.
Sie veröffentlichen auch ein Buch, Solar Machines.
Es ist eine Möglichkeit, das weiterzugeben, was ich im Laufe der Jahre bei der Zusammenarbeit mit großen europäischen Büros gesehen und gelernt habe. Das Buch vereint Interviews, Referenzen und Entwurfsgeschichten. Ergänzt wird es durch Videokapseln, die diese Reflexion über Solararchitektur vertiefen.

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Mit Sunsoak Design vertritt Jean‑Didier Steenackers eine klare Überzeugung: Die Energiewende wird nicht allein durch Zahlen vorangetrieben, sondern ebenso durch Form. Soll Solarenergie unsere gebaute Umwelt nachhaltig prägen, muss sie mit einer echten architektonischen Ambition verbunden sein. Diese Überzeugung steht im Mittelpunkt seines Vortrags auf der Bühne der ARCHITECT@WORK in Brüssel, den Jean‑Didier Steenackers am Mittwoch, den 20. Mai 2026, um 15.00 Uhr halten wird.


Jean-Didier Steenackers