ICONIC ARCHITECTURE : Gebaute Ikonen
Erscheinungsdatum: 12.02.2026
Barbara Jahn

Manchmal erzählt ein Bild mehr als tausend Worte. Für die Artikelserie 2026 haben wir das Thema „Ikonische Architektur“ ausgewählt, die es schafft, das Unausgesprochene in eine für die Betrachter*innen leicht verständliche Sprache zu übersetzen, die keine großen Worte braucht.
Ikonische Architektur ist selbst aussagekräftig genug, oft mutig und eigenwillig, aber nahbar, selbsterklärend und vor allem einzigartig. Sie ist nicht zuletzt ein Aufbäumen gegen den Mainstream, der oft Nutzflächenoptimierung über Ästhetik stellt, und zahlt vielleicht sogar manchmal einen kleinen Tribut der absoluten Zweckmäßigkeit. Doch dem gegenüber steht ein großes Geschenk für Auge und Fantasie, wenn man als Architekturbegeisterter zwischen den Zeilen lesen darf und sich verliert in nicht alltägliche Formen und Details anstatt wieder einmal an funktionaler Glätte abzurutschen.

In Österreich wurde eine solche Symbiose zwischen aufsehenerregendem Auftritt und gleich mehreren Funktionen umgesetzt. Die berühmte Loacker-Haselnusswaffel feierte 2025 ihren 100. Geburtstag – Grund genug, um im Rahmen dieses besonderen Jubiläums im Osttiroler Heinfels ein Flagship-Store entstehen zu lassen, der weit mehr als ein Verkaufsort ist. Das italienische Architekturbüro MoDusArchitects gestaltete hier ein Café, einen Shop, eine Konditorei und einen Pavillon unter einem Dach, wo nun täglich über 3.500 Besucher*innen das pulsierende Herz der Marke erleben können. Die so genannte „Loacker Galaxy“ verbindet Begegnung, Erlebnis und Genuss in einem architektonischen Raum, der gleichzeitig Tradition, Innovation und internationale Anziehungskraft vereint.

Die Loacker Galaxy übersetzt die Markenwerte räumlich direkt in eine Architektur, in der Handwerklichkeit, industrielle Präzision und die charakteristischen Farben sichtbar werden. Maßstabssprünge, dynamische Blickachsen und überraschende Raumfolgen schaffen ein spannendes Erlebnis, das eine Erfolgsgeschichte erzählt, während sich die Besucher*innen durch die verschiedenen Bereiche – vom Café über Shop bis in die Werkstatt – bewegen und nicht nur die Vielfalt der Produkte erleben können, sondern auch in eine Inszenierung eintauchen können, die einerseits die Vergangenheit und Zukunft der Marke faktisch miteinander verknüpft und andererseits emotional erfahrbar macht.


„Loacker Galaxy ist unser erster Vorstoß in die Welt des Einzelhandels. Dank sorgfältig ausgewählter Räume, der ausdrucksstarken Verwendung von Materialien und überraschenden Größenunterschieden verdichtet das Projekt das umfangreiche Angebot von Loacker an einem erkennbaren, spannenden und großzügigen Ort, der das gleiche Staunen und die gleiche Begeisterung hervorruft, die ein Kind empfindet, wenn es einen Süßwarenladen betritt“, sagen Sandy Attia und Matteo Scagnol, die Mitbegründer von MoDusArchitects.

Das charakteristische Rot der Marke Loacker wird gezielt eingesetzt, um die Corporate Identity im Raum zu verankern. Große, teils gewagte Strukturen schaffen Dynamik und Energie, während Holz und Edelstahl einen Dialog zwischen Tradition und Moderne führen. Holz vermittelt Wärme, Handwerkskunst und Nähe, Edelstahl hingegen Präzision, industrielle Raffinesse und Hightech-Produktion. Diese Kombination prägt jeden Bereich des Flagship-Stores und verleiht ihm ikonischen Wiedererkennungswert.

Im Erdgeschoss verbindet eine Holzkassettendecke Café und Shop. Ihr abstrahiertes Waffelmuster kontrastiert die kühlen Grautöne der Steinböden und gliedert den Raum in einen unverwechselbaren Rhythmus. Die skulpturale Edelstahltheke am Eingang fungiert als Blickfang und leitet in die Material- und Formensprache ein. Umlaufende Holzvertäfelungen mit runden Durchgängen schaffen fließende Übergänge zwischen Sitzbereichen, Cafeteria und Laden, wobei Aufenthaltszonen für kurze Pausen oder längere Besuche einladend gestaltet sind.

Der Shop selbst ist als „Galaxie der Geschmäcker“ konzipiert. Zehn überdimensionale Totems aus Edelstahl, 257 mal 362 Zentimeter groß, schweben auf drehbaren Säulen knapp über dem Boden. Sie können bewegt werden, sodass sich die Raumkonfiguration laufend verändert. Dieses dynamische Arrangement vermittelt Fülle und Vielfalt, lässt Besucher*innen die Produkte neu entdecken und erzeugt ein Erlebnis von Bewegung, Spiel und Neugier, das die gesamte Markenwelt ständige einfache und zufällig entstehende Veränderungen architektonisch intensiv erlebbar macht.

Hinter dem Totem-Wald ergänzt ein Pick-&-Mix-Display die Inszenierung. Sich aneinanderreihende, vertikale Fächer ordnen Waffeln, Süßigkeiten und Schokoladen grafisch und farblich. Dazwischen tritt immer wieder das kräftige Markenrot als Akzent hervor, während Produkte visuell in Szene gesetzt und die Vielfalt der Auswahl deutlich gemacht werden. Auf diese Weise erleben die Besucher*innen die räumliche Gestaltung als integralen Teil der Markenbotschaft, indem Farbe, Form und Material die eigentliche Identität von Loacker in vielen Details sinnlich erfahrbar machen und dabei die Entdeckungsfreude steigern.

Im Obergeschoss verwandelt sich die Produktion in eine Art Bühnenbild. In der Waffelwerkstatt in charakteristischer Pillenform können die Besucher*innen eigene Waffeln herstellen und so noch tiefer in das Marken-Erlebnis eintauchen. In den Höhen versetzt, mit schwarzen Holzeinbauten und roten Fliesen werden starke farbliche Kontraste erzeugt, verstärkt durch eine überdimensionale, scheibenförmige Leuchte, die diese Bühne in Szene setzt. Von umlaufenden Galerien können Familien den Herstellungsprozess der Waffeln beobachten und die handwerkliche Präzision miterleben, die in der Waffel-Produktion steckt.


Der Außenbereich wird über einen gläsernen Vorraum erschlossen, der Café, Haselnussgarten und Spielplatz miteinander verbindet. Der neue Servicepavillon trennt Parkplatz und Terrasse voneinander, bietet Schutz für einen Eisstand und zusätzliche Einrichtungen. Seine abgerundete Form, die Holzvertäfelungen mit rhombusförmigen Ausschnitten, die Edelstahlplatten und die expressiven Betonsäulen zitieren Elemente aus der Innenraumgestaltung und setzen die Markenästhetik architektonisch nach außen fort. Gleichzeitig treten sie damit in den Dialog mit der umgebenden alpinen Außenwelt und verbinden Gebautes und Natürliches zu einem Ganzen.


Mit der Loacker Galaxy haben es MoDusArchitects geschafft, ein Erlebnisraum zu kreieren, der auf sehr individuelle und maßgeschneiderte Weise Architektur, Markenidentität und Produkterlebnis zu einem räumlichen Narrativ vereint. Der Flagship-Store wird dadurch zu einem internationalen Design-Highlight, das Loacker als visionäre Marke der Süßwarenwelt inszeniert und dreidimensional auf mehreren Ebenen erlebbar macht.
Alle Bilder: © Marco Cappelletti