ICONIC ARCHITECTURE: Der Bahnhof Villejuif-Gustave Roussy
Erscheinungsdatum: 09.04.2026
Dies ist eine überarbeitete Übersetzung eines Originalartikels von Sipane Hoh
Es ist das größte Tiefbauprojekt in Europa: Der Grand Paris Express betrifft nicht nur einen zentralen Verkehrsknotenpunkt der Île-de-France, sondern umfasst die gesamte Metropolregion Paris. Ein wichtiger Baustein dieses gigantischen Projekts ist der Bahnhof Villejuif–Gustave Roussy, der von Dominique Perrault Architecte mit großer Sorgfalt entworfen und realisiert wurde.

Die Herausforderungen des Grand Paris Express sind zahlreich. Es handelt sich um ein Großprojekt, das entscheidend zur Entstehung einer nachhaltigen Metropolregion beiträgt – eine notwendige Antwort auf den Klimawandel. Der Bahnhof Villejuif–Gustave Roussy gehört zu den tiefstgelegenen Verkehrsinfrastrukturen Frankreichs. Dank seiner Lage auf dem höchsten Punkt des Longboyau-Plateaus nimmt er eine strategische Position ein. Von außen wirkt der Bahnhof wie ein Pavillon, der Innen- und Außenraum miteinander verbindet – und dennoch sein Geheimnis bewahrt. Sobald man eintritt, verändert sich die Dimension: Die Anlage entfaltet sich, öffnet sich und führt hinab in die Tiefen der Erde. Und die Architektur? Ein Geniestreich. Sie beginnt zurückhaltend, fast bescheiden, und enthüllt erst Schritt für Schritt ein hochkomplexes Universum ingenieurtechnischer Meisterleistung. Der architektonische Ansatz bleibt dabei ganzheitlich: Er fordert großes Geschick, echtes Know-how und eine Entschlossenheit, die jeder Herausforderung standhält. Denn ja – ein solches Bauwerk darf seinen Platz in den Annalen ikonischer Architektur mit Stolz einnehmen.


Trotz seiner ikonischen Ausstrahlung besitzt das Projekt einen ganz praktischen Nutzen. Es verbindet zwei gegensätzliche, aber doch komplementäre Welten: jene unter der Erde und jene darüber. Dieser große Zylinder mit einem Durchmesser von 70 Metern und einem ausgehöhlten Innenraum von 30 Metern hat alles, um zu begeistern. Eine der Rolltreppen zu nehmen oder an einer der Galerieebenen mit Balkon Halt zu machen, wird so zu einem Erlebnis für sich. Jede Besucherin und jeder Besucher wird unweigerlich von dem meisterhaften und zugleich subtilen Labyrinth gefesselt – selbst dann, wenn man es nur zufällig durchquert.


Die architektonische Meisterleistung wird durch die Innenraumgestaltung, die Lichtführung und die Akustik vollendet – ein Ensemble fein abgestimmter Elemente, entworfen von Gaëlle Lauriot-Prévost, Partnerin im Büro Dominique Perrault Architecture. Edelstahl ist dabei ein zentrales Material, das sich in vielfältigen Formen präsentiert: glatt, gewebt, perforiert, hochglanzpoliert oder satiniert. Jede Ausführung bereichert die Atmosphäre, hebt architektonische Elemente hervor und trägt durch raffinierte Licht- und Spiegelspiele maßgeblich zur Ausbreitung des Lichts bei. Sowohl im Inneren als auch im Außenbereich eingesetzt, strukturiert dieses Material – oft als kühl wahrgenommen, da es ein Industrieprodukt ist – die Räume, kleidet Übergänge aus und verleiht dem Ganzen eine unverkennbare Note von Innovation. Hervorzuheben sind zudem die Leuchten und akustischen Baffeln, die sich rhythmisch abwechseln und die Passagiere in eine wahre Lichtwelt eintauchen lassen.


Neben ihrer Funktion als Durchgangsort ist diese gigantische Infrastruktur bis zur Ebene –2 frei zugänglich. Der öffentliche Außenraum setzt sich somit im Inneren fort und bietet Platz für zahlreiche Geschäfte und Dienstleistungen, wodurch die angrenzenden Galerien zu einladenden Flanierbereichen werden. Der Bahnhof ist nicht länger ein seelenloser Ort des Umsteigens und Durchgangs, sondern eine eigenständige Anlage: natürlich belichtet und belüftet, in der mehrere Nutzungen harmonisch koexistieren. Ein zeitgemäßes Bauwerk, ebenso funktional wie ästhetisch, das mit seinen vielfältigen Qualitäten die Frage aufwirft, wie Verkehrsräume innovativ gestaltet werden können. In diesem gewaltigen, äußerst präzisen Projekt ist die Kunst nie weit entfernt. Dank der Intervention des chilenischen Künstlers Iván Navarro verwandelt sich die kreisrunde Decke der Ebene –9 in einen Sternenhimmel aus Neonröhren und Spiegeln. So entsteht für die Passagiere ein sensibles, eindrucksvolles visuelles Erlebnis. Das Werk besteht aus 58 Leuchtkästen, in die die Namen von Himmelskörpern eingraviert sind. Wer hätte gedacht, in einem Bahnhof einen Moment reiner Magie zu erleben?
Alle Bilder: © Michel Denancé / Dominique Perrault Architecte / ADAGP